MII-Initiative

Medizininformatik Initiative - ImplementationGuide - Modul PRO v2026

SCOFF

Klinischer Kontext

Der SCOFF ist ein Screening-Instrument für Essstörungen mit fünf Ja/Nein-Fragen. Er wurde bewusst so knapp und einprägsam gehalten, dass er ohne Spezialkenntnisse im Erstkontakt eingesetzt werden kann — der Name ist ein Akronym der englischen Schlüsselwörter: Sick, Control, One stone, Fat, Food.

Scoring und Interpretation (Summenwert 0–5, Morgan et al. 1999): Jede Ja-Antwort zählt einen Punkt. Ab zwei Punkten gilt das Screening als auffällig; in der Originalstudie erreichte dieser Trennwert 100 % Sensitivität und 87,5 % Spezifität gegenüber der klinischen Diagnose einer Anorexia oder Bulimia nervosa.

Ein auffälliges Screening ist ausdrücklich kein Diagnoseersatz: Das Instrument ist darauf ausgelegt, einen Verdacht zu erzeugen, der eine sorgfältige klinische Abklärung nach sich zieht.

FHIR-Implementierung

Sprachstrategie: Englisch als Primärsprache (Original nach Morgan et al. 1999, wortgetreu aus dem publizierten Fragenkasten), deutsche Texte als Translations aus dem PCOR-MII Item Level Dictionary.

Questionnaire

Canonical URL: https://www.medizininformatik-initiative.de/fhir/ext/modul-pro/Questionnaire/mii-qst-pro-scoff

Capabilities: Displayable, Collectable, Calculatable, Extractable, Domain-aligned

Besonderheiten:

  • linkIds scoff-q01scoff-q05, Score-Item scoff-score-total.
  • Antworten als inline answerOption mit SNOMED CT 373067005 (No, Gewicht 0) und 373066001 (Yes, Gewicht 1) — gebündelt im geteilten RuleSet YesNoAnswerOptions. Ein eigenes MII-CodeSystem wäre eine Doppelung standardisierter Terminologie; da SNOMED-Konzepten keine ordinalValue-Property angehängt werden kann, stehen die Gewichte inline statt in einem answerValueSet.
  • Score-Berechnung via FHIRPath: %resource.item.where(linkId.matches('^scoff-q0[1-5]$')).answer.value.ordinal().sum().
  • Abweichung zwischen Original und Übersetzung: Item 3 fragt im Original nach „One stone" (≈ 6,35 kg), die deutsche Fassung nach „mehr als 6 kg". Beide Wortlaute bleiben unverändert erhalten; die Schwelle wird nicht angeglichen.
  • Für den SCOFF selbst existiert weder ein LOINC- noch ein SNOMED-CT-Code (geprüft gegen LOINC 2.83 und SNOMED International 2026-05-01); die Kodierung erfolgt über den MII-Questionnaire-Katalog.

Die vollständige Ressource: Questionnaire-Definition im Artefakt-Register.

Score-Repräsentation

  1. Berechnetes Item in der QuestionnaireResponse (linkId: scoff-score-total)
  2. Observation mit MII-Score-Code scoff-total
  3. ObservationDefinition: mii-obsdef-pro-score-scoff — Wertebereich 0–5 , höher = größere Wahrscheinlichkeit einer Essstörung

Der Cut-off ≥ 2 ist als qualifiedInterval dokumentiert, aber bewusst nicht als ausführbare Interpretationslogik ausgeliefert (siehe Scoring).

Lizenz

SCOFF © Morgan, Reid & Lacey 1999 (BMJ) — frei verfügbar, keine Genehmigung für Reproduktion, Übersetzung oder Nutzung erforderlich.

Quellen

  • Morgan JF, Reid F, Lacey JH. The SCOFF questionnaire: assessment of a new screening tool for eating disorders. BMJ 1999;319(7223):1467–1468. doi:10.1136/bmj.319.7223.1467
  • Hölling H, Schlack R. Essstörungen im Kindes- und Jugendalter. Bundesgesundheitsblatt 2007;50:794–799. doi:10.1007/s00103-007-0242-6